Exklusiv-Training bei der Meklau Racing Factory … das Exklusivste allerdings ist der Preis …!

Falls Sie racing-interessiert sind, Ihre persönliche Performance auf der Rennstrecke verbessern wollen und für ein verlängertes Wochenende an die 2.000 Euro übrig haben, dann heißt Sie der Großmeister Andreas Meklau höchstpersönlich in seiner Racing Factory am Pannoniaring willkommen. – freirad.com hatte Glück und war dabei. Die Erkenntnis: Talentfreiheit ist nicht in 3 Tagen heilbar!

Als glücklicher freirad-Abgesandter fand ich mich an einem malerischen Donnerstag Abend (die Sonne schickte sich an, glühend rot in der Pannonischen Tiefebene zu versinken) ganz alleine mit meiner Duc den Pannoniaring umrundend. Godfather of Austrian Bike-Racing, Andreas Meklau mit verschränkten Armen in der Mitte des Rings, zwischen 3er und 4er auf der einen Seite und der Hauskurve auf der anderen Seite stehend, meine Schaltvorgänge zählend und meine verkrampfte Kurventechnik bewundernd. – Fast hätte ich das Ganze genießen können, wenn da nicht mein permanentes Schnaufen unter meinem Helm zu hören gewesen wäre.

Eines gleich vorweg: Bei Andy ist alles anders. Das Leder, die Bikes und vor allem: Der Fahrstil. Denn wenn man ihm bei seinen konstanten 1:54er-Runden zusieht, dann könnte man meinen, dass er gerade zum Baden an einen See fährt. – Wenn man einen Martin Bauer bei seinen 1:55er-Runden sieht, könnte man meinen, er fährt direkt in die Hölle. (Bleibt somit jedem selbst überlassen, welchem Fahrstil er sich näher fühlt…)

Meklaus Fahrstil ist wie sein Leder: Glatt, blitzesauber, ohne Falten und Kanten – wie gebügelt. Und wenn Mike Wohner als Empfehlung mit auf den Weg gibt: „Stift, Stoff und draufbleiben; das wichtigste ist, die Gänge ausdrehen und auf den Geraden ordentlich am Kabel ziehen!“ verkrümmt es Meklau die Eingeweide, wenn er meinen Begrenzer hört und er meint sogar (in ledergleich poliertem Hochdeutsch): „Bis zu einer Rundenzeit von 2:04 ist extremer Hangoff für die Fische. Rund fahren, früher, dafür sanfter bremsen, hohe Rollgeschwindigkeit durch die Kurven, sanft, aber bestimmt mit Gas aus der Kurve ziehen, Linie, Linie, Linie, das Asphaltband zur Gänze ausnützen – und schon kannst du ohne großes Risiko um 10 Sekunden schneller sein!“ – Innerlich wurde ich blass, denn das wäre dann bei mir eine 2:01er Zeit. (Ich glaube, ich muss nicht betonen, dass ich anscheinend nichts von dem, was er mir sagte, richtig umsetzen konnte, sodass ich von 2:01 immer noch gleich weit entfernt bin wie zuvor. Die drei anderen Teilnehmer hingegen kappten ordentlich von ihren Rundenzeiten: 2:14 auf 2:08; 2:10 bei Ringpremiere; 2:37 auf 2:17)

Seine anschaulichen und geduldigen Ausführungen untermalt Meklau mit einer „Gas gebenden“ Handbewegung, die an einen Dirigenten erinnern, der gerade die Pfeifen in der zweiten Reihe mit dem Taktstock zu einem gefühlvollen Crescendo motivieren möchte.

Nun, ansonsten ist alles mehr oder weniger gleich gut oder schlecht wie bei anderen Fahrtechniktrainings: Videoscreening (wenn die Kamera und das Überspielen in den Computer funktioniert), Vorausfahren, Hinterherfahren, Vorbesprechung, Nachbesprechung … aber ganz ehrlich: Andreas Meklau selbst reißt das Ganze mit seiner Expertise und seinem Auftreten schlussendlich doch deutlich ins Positive.

Bevor wir zu den Glanzlichtern kommen (eines davon war die Fahrt in den Sonnenuntergang, bei der ich ganz alleine am Track unterwegs war … unbeschreiblich!), einige Schatten der Veranstaltung: Da ist zunächst der sehr hohe Preis – der wie gesagt auch mit gutem Willen nur durch die charismatische Gegenwart von Meklau gerechtfertigt ist. Im Betrag von fast 2.000 Teuros (immerhin in „echter“ Währung über 27.500 Schillinge) ist außer der Box, technischem Support von einem Mechaniker (Reifen und Ersatzteile müssen natürlich extra gekauft werden – allerdings zu Sonderkonditionen), den Tagestickets für die Rennstrecke und einem Essen nichts inkludiert. Die bei Renntrainings üblichen Videoanalysen funktionieren eher holprig. Zwar sind bei der Meklau Racing Factory bei diesem Preis maximal 3 Fahrer beim Training dabei, aber auch bei dieser geringen Teilnehmerzahl hapert es an der Organisation (so mussten wir vom zweiten auf den dritten Tag noch nachts nach dem Training in Sávár ein Zimmer finden, was aufgrund des Folklore-Festivals (super Sache!) …

… nahezu aussichtslos war.

Der Vormittag des ersten Tages war verregnet – wofür der Veranstalter natürlich nichts kann – aber statt eines Theorieteils, wartete man mehr oder weniger geduldig auf das Trocknen der Rennstrecke. – So etwas kann man zweifelsfrei geschickter machen, ja, eigentlich muss man das um diesen Betrag sogar.

Aber Meklau selbst macht vieles davon wieder wett. Unglaublich, welche Perspektiven er als Rennfahrer mit über 42 Jahren noch hat (davon können viele jüngere Fahrer nur träumen!).

Was aber war nun die Essenz, die Meklau’schen Highlights und Ergüsse dieses Trainings?

– Zunächst hält er fest, dass die Fußrasten zu wenig „benutzt“ werden. Druck in die Fußrasten gibt Stabilität und Kurvenpräzision.

– Sitzposition: Hier verficht er die These (und seine Rundenzeiten am Pan geben ihm da wohl recht), dass extreme Hangoffs eher Turnübungen als nützlich sind (so lange wir von Hobbyfahrern reden). Viel mehr betrachtet er aktive Lenkimpulse am Lenker und das Drücken des Motorrads in die bzw. in der Kurve für nützlich, was die Pace betrifft. Ja, bei ihm kommt sogar der gute alte (aus ÖAMTC-Fahrtechniktrainings bekannte) Hüftknick zu Ehren.

– Rundes Fahren, exaktes Treffen der Linie und das Ausnutzen der kompletten Strecke sind ein weiterer Punkt für einen „Stockerlplatz“. Radikales „am-Kabel-ziehen-und-Abbremesen“ des Motorrades ist nicht das, was Andy unter „aktivem Arbeiten mit dem Motorrad“ versteht. Man müsse dem Motorrad zwar immer aktiv die Richtung vorgeben, man dürfe nie „Passagier“ am eigenen Bike sein, jedoch im Unterschied zu anderen Racern: „Entweder bremsen oder Gas geben, alles andere ist Zeitverschwendung!“ – befindet Prof. Meklau eher die hohe Rollgeschwindigkeit durch die Kurve und das gummibandartige Herausbeschleunigen aus der Kurve wichtig.

– Linienkorrekturen ergeben sich bei Meklau nicht durch Bremsen, vom Gas gehen oder Gas geben, sondern durchs Drücken des Motorrades. (Ach ja, Andy war eine Zeit lang Chefinstruktor beim ÖAMTC … ;-)

Tja, wer nun glaubt, dass dieser „Altherren“-Fahrstil langweilig ist und langsam macht, dem kann ich nur bedingt recht geben. In Bezug auf mich stimmt das, denn durch mein Herantasten an diesen Fahrstil wurde ich um gut 2 Sekunden langsamer, als ich vorher war. Meklaus Kommentar dazu: „Das kann schon sein, aber mit deinem alten Fahrstil bist du angestanden und wärest ohne großes Risiko nicht mehr schneller geworden. Mit meinem Fahrstil hingegen gewinnst du locker 10 Sekunden ohne größeres Risiko!“

Nun mögen die Meinungen ja auseinandergehen und ich bin in drei Tagen nicht zum Meklau-Jünger geworden, aber wenn man ihn dann auf der Rennstrecke völlig unspektakulär fahren sieht, ja eigentlich hat man den Eindruck, dass er mit ein und demselben Tempo den ganzen Racetrack durchrollt, dann könnten einem tatsächlich Zweifel kommen. Schaut man dann aber auf die Rundenzeiten und sieht, wie locker er konstant 1:55er Zeiten fährt, dann verstummt wohl jeder Argwohn und man beginnt nachzudenken …

Natürlich kann ich für mich selbst – neben der schon erwähnten Tatsache, dass Talentlosigkeit in 3 Tagen nicht heilbar ist – das Resümee ziehen, dass ich zwar immer noch nicht schneller geworden bin – allerdings weiß ich inzwischen aber wenigstens, warum ich langsam bin.

Es hat mir auch auch einmal mehr die Lebensweisheit nahe gebracht, dass es immer mindestens einen gibt, der schneller ist und dass es immer wieder Jungs gibt, die sich liebend gerne johlend zum Deppen machen.

Und dass es Menschen gibt, die durch nichts von ihrem Weg und der Freude am Leben abzubringen sind:

Matthias Lanzinger, KTM RC8 mit Handschaltung: Unglaublich und sauschnell!!! Respekt!

 

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