„Stift, Stoff und drauf bleiben!“

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Mike „the bike“ Wohner, Rennfahrer-Legende mit traurigem Blick und „Anti-Richman“, gab uns ein etwas „anderes“ Interview: über Liebe, Hoffnung, die Szene, ein Rennfahrerleben und die Zukunft:

Wir trafen Mike Wohner bei einer seiner Rennveranstaltungen am Pannoniaring. In diesem Rahmen wird der Skoox-Cup ausgetragen und unter dem Titel „Fahrtechniktraining“ können (Hobby-)Racer hier mal die „Sau“ rauslassen. Während der Mittagspause konnten wir mit Mike ein sehr „menschelndes“ Interview führen.

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freirad.com: Mein persönlicher Eindruck ist, dass Motorradrennfahrer in Österreich so etwas wie traurige Helden sind. Woran liegt das?

Mike: Es liegt an der Größe des österreichischen Marktes. Und es liegt in erster Linie daran, dass der Zweiradsport in Österreich keine Lobby hat. Das ist im Geländesport noch ein bisschen leichter, weil wir da Kinigadner als 2-fachen Weltmeister haben und mit KTM ein eigenes Werk im eigenen Land. Aber im Straßenrennsport haben wir da nichts. Das war früher zu Zeiten von Auinger noch alles viel besser. Da haben sie sogar noch in den 20.00 Uhr-Nachrichten im Sport die Österreichischen Meisterschaften übertragen. Das haben wir jetzt alles nicht mehr. Der Straßenrennfahrer ist ein einsam kämpfender Held.

freirad.com: Beispiel Gustl Auinger: Wie wäre sein rennfahrerisches Leben verlaufen, wenn er zB in Italien oder Spanien auf die Welt gekommen wäre?

Mike: Er würde sich nur mehr Sorgen darum machen, wo er mit seinem vielen Geld hin muss. Er würde sich Gedanken machen, es so gut wie möglich anzulegen. Er hätte ausgesorgt. Und seine Familie und die nächste Generation auch.

freirad.com: Weil die Italiener und Spanier Motorsport-begeisterter sind oder weil der Markt größer ist?

Mike: Du kannst dort 4 Monate länger Motorrad fahren. Du hast dort einen großen Markt und eine irrsinnige Motorradrennsport-Tradition. Die Spanier haben Firmen im Land, die eigene Produkte herstellen. Du hast in Österreich KTM und du hast Sebring und dann ist es schon aus im Zweiradsport. Wo wirklich was produziert wird und die Leute interessiert daran sind, im eigenen Land zu werben. Das sind bei den Italienern Dainese und die ganze Helmpartie. Alles wird in Italien gemacht und auch in Spanien. Da ist einfach Geld da. Die Italienische Meisterschaft wird im Fernsehen übertragen.

freirad.com: Also es liegt nicht am Talent?

Mike: Auf keinen Fall. Grad im Gegenteil: Wir haben sehr, sehr gute Motorradlfahrer in Österreich, die einfach herumgrundeln und es höchstwahrscheinlich niemals schaffen werden, hinaufzukommen, weil es einfach Normale sind, wo der Vater keine Firma hat und die keine Mäzen haben. Und deswegen tut mir das fast ein wenig weh.

freirad.com: Wovon lebt ein Motorradrennfahrer in Österreich? Anders gefragt: Kann ein österreichischer Motorradrennfahrer von seinem Sport leben?

Mike: Nein. Die meisten Motorradrennfahrer in Österreich gehen nebenbei arbeiten. So richtige Profis, Profis in dem Sinne, wirklich Geld zu machen durch ihre Leistung, da gibt’s nur den Meklau, Resch Roli und Bauer Martin natürlich. Man kann sagen, dass die, die in der IDM fahren, die haben’s geschafft.

freirad.com: Ich habe da ein Video gesehen, wo du bei einem Rennen der rumänischen Superbike-Meisterschaft mitgefahren bist. Da war der Pannoniaring kaum wiederzuerkennen mit gemähtem Gras und 5 oder 6 Kameras rund um die Strecke herum. Kannst du zu dieser Rennserie etwas sagen? Worum geht’s da?

Mike: Woher die das Geld haben, weiß ich nicht. Aber da sind einfach ein paar Firmen, die haben sich zusammengetan. Ich glaube sogar, dass das rumänische Fernsehen selbst dabei ist. Und die machen eine Meisterschaft auf verschiedenen Rennstrecken. Heuer ist Most dabei, zwei Läufe in Griechenland, eben der Pannoniaring, ich glaub sogar Brünn. Die Veranstaltung wird relativ locker abgewickelt. Ich find’s nicht schlecht. Ich find’s gut, dass es zwei Klassen gibt: Supersport und 600. Die Leute sind freundlich, nur wird ein bisschen zu lange gefeiert am Abend (lacht). Aber wenn ich da wieder einmal mitfahre, nehme ich mir ein Zimmer auswärts, damit ich auch schlafen kann. Es ist keine schlechte Veranstaltung. Nur der sportliche Wert ist halt ein bisschen fraglich. Das Preisgeld ist natürlich auch ein Anreiz.

freirad.com: Haben solche regionalen Events Zukunft? So wie eben die rumänische Superbike-Meisterschaft oder glaubst du, dass ist etwas, wo man sagt „nice to have“?

Mike: Ich find’s gut, dass sie das machen, weil man als Rennfahrer zu anderen Veranstaltern sagen kann: Schauts hin. Es ist kein Problem, ein Preisgeld zu stiften. Ihr müsst euch nur drum kümmern. Aber in Österreich hat das schon eine richtige Tradition, dass es nichts gibt. Ich glaube, sie hätten wirklich ein schlechtes Gewissen, wenn sie mal ein Preisgeld ausschütten täten.

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freirad.com: Eine Bitte zum Abschluss. Gib uns Plinies noch einen Tipp zum Schneller-Werden!

Mike: Der wichtigste Tipp ist meiner Meinung nach körperliche Fitness. Die meisten Motorradlfahrer unterschätzen das. Das ist so unglaublich wichtig, weil wenn du dich am Motorradl exakt bewegen kannst, dann fährst du auch eine exakte Linie. Ganz wichtig wäre Gelände-Fahren. Gelände-Fahren ist insofern ganz wichtig, weil in jeder Runde rutscht es vorne und hinten und es ist auch auf der Geraden nicht ruhig. Wenn du ein bisschen einen Geländestil hast, tust du dir auf der Straße sehr leicht.

freirad.com: Danke, Mike! – Wir sehen uns am Racetrack, so viel ist sicher!

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